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22.02.2017

Am Freitag, dem 10. Februar 2017, machte die Roadshow „Transitkuhmanagement 4.0“ Station auf Haus Düsse. Für die RUW, als Partner, übernahm Herr Dr. Hauschulte die Einführung in die Veranstaltung und die Begrüßung der Referenten, sowie der zahlreich erschienenen Zuhörer. Mit ca. 250 Teilnehmern, darunter ca. 40 Tierärzten, war die Demonstrationshalle bis an die Kapazitätsgrenze gefüllt. Kein Wunder bei den angekündigten Referenten und ihren hochaktuellen Themengebieten.


Neue Einblicke in den Stoffwechsel unserer Kühe

Frau Dr. Denise Geßner von der Universität Gießen befasst sich mit molekularbiologischen Prozessen und bot Einblicke in Stoffwechsel bzw. Zellstoffwechsel von Kühen. Kühe sind einer Vielzahl von Stressoren ausgesetzt, welche insbesondere in der Transitzeit folgenschwer sein können. Krankheitserreger, Haltungsmängel oder Stoffwechselprobleme wirken auf die Kuh in einer Phase ein, in der die Immunabwehr ohnehin geschwächt ist. Entzündungen und Leberfunktionsstörungen sind häufige Reaktionen. Grundsätzlich sind Entzündungen als physiologisch sinnvoll zu bewerten, da sie die Funktion der Organe wieder herstellen und so das Überleben gewährleisten. Für den Stoffwechsel der Kuh bedeutet ein entzündlicher Prozess eine verringerte Futteraufnahme und einen erhöhten Energiebedarf aufgrund von Fieber, woraus eine Leistungsverringerung von bis zu 5 Litern Milch/Tag resultieren kann. In weiteren Untersuchungen konnte die Wissenschaftlerin nachweisen, dass Stress auf zellulärer Ebene eine zentrale Beteiligung an der Entstehung einer Fettleber bzw. einer Ketose hat. Als beste Vorbeugemaßnahme kann eine optimierte Trockensteherfütterung mit einer Körper-Konditions-Anpassung (BCS) angesehen werden. Für die Umsetzung in der Praxis wurden folgende Empfehlungen ausgegeben:

• Entwicklung und Anwendung innovativer Fütterungskonzepte, unter besonderer Berücksichtigung der Trockensteherphase

• Einsatz entzündungshemmender Futtermittel, wie z. B. Traubentrester oder polyphenolhaltige Supplemente

 

Transition Cow Management objektiv und ökonomisch beurteilen

Herr Dr. Christian Koch von der Lehr-und Versuchsanstalt Neumühle macht nicht allein die Lebenszeit für das Altern der Kühe verantwortlich, sondern vielmehr das Kalbeintervall und den damit verbundenen metabolischen Stress (Produktionskrankheiten). Der Ca-Stoffwechsel der Kuh wird nach der Kalbung vervierfacht, eine negative Energiebilanz und sozialer Stress kommen belastend hinzu. Die Kombination aus oxydativem und sozialem Stress kann zu Entzündungsprozessen und Folgeerkrankungen führen. Stehen z.B. durch Überbelegung nicht genügend Fressplätze zur Verfügung wird die Futteraufnahmefrequenz reduziert. Folglich wird bei den einzelnen Mahlzeiten mehr Futter, insbesondere von rangniedrigeren Tieren, aufgenommen, wodurch Azidosen begünstigt werden. Hitzestress bei tragenden Kühen wirkt sich direkt auf die Leistungen der nachfolgenden Kälber/Färsen aus (Minderung bis 5,1 kg Milch). Die Transitphase ist unbestritten der sensibelste Zeitabschnitt in der Laktation. 75 % aller Erkrankungen treten im 1. Laktationsmonat auf. Auf dieser Erkenntnis basierend, zieht man in den USA die 1. Milchkontrolle nach der Kalbung (5.- 40. Laktationstag) als Gesundheits-indikator (Transitkuh Index) heran. Ein Vergleich der tatsächlichen Milchmenge mit einer anhand von vorliegenden Daten geschätzten, optimalen Milchmenge soll Aufschluss über mögliche Mängel bzw. Optimierungspotential geben. Die geschätzte Milchleistung wird aus verschiedenen Parametern der MLP-Daten ermittelt und bietet eine Möglichkeit, subklinische Erkrankungen aufzudecken. In Deutschland werden aktuell über Optikuh entsprechende Berechnungen, welche auf hiesige Verhältnisse abgestimmt werden müssen, erprobt, damit das Indexsystem zukünftig auch bei uns zur Identifizierung betrieblicher Reserven genutzt werden kann.

 

Gut ist nicht gut genug.

Pete Kappelman, ein äußerst erfolgreicher Milchviehhalter aus Wisconsin, ging in seinem Referat auf die „Erfolgsrezepte“ seiner Hochleistungsherde ein. Seit er 1985 als frischgebackener Agraringenieur in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist, konnte er die Milchleistung seiner Herde jedes Jahr durchschnittlich um 250 kg steigern. Derzeit liegt die Leistung seiner 450 Kühe bei fast 15.000 kg Milch und einer Tankzellzahl von < 60.000 Zellen. Seiner Meinung nach sind es die „einfachen Dinge“, die zum Erfolg führen. Eines seiner Prinzipien lautet: „Man kann nur das managen, was man messen kann. An Gesetze muss man sich selbstverständlich halten, Regeln und Empfehlungen sind jedoch dazu da, um ständig hinterfragt zu werden. Okay und zufrieden sein, ist der Feind des Besserwerdens.“ Auch in züchterischer Hinsicht hat er eine klare Linie. Sämtliche weiblichen Kälber werden im Alter von 4 Wochen mit einem Genchip (10k) auf ihren genomischen Zuchtwert untersucht. Oberste Priorität haben hier Gesundheitsmerkmale, Nutzungsdauer, Eutergesundheit und nicht die Milchleistung. Das Aufdecken von negativen Merkmalsträgern ist ihm ebenfalls wichtig. „Kosten für Gendiagnostik und Sperma sind keine Ausgaben, sondern Investitionen in die Zukunft“, so eine weitere Aussage. Die Basis für die außerordentliche Milchleistung sieht er in einer hohen Grundfutterqualität und einer optimierten Rationsgestaltung. Das gesamte Grundfutter stammt von betriebseigenen Flächen und wird von der betriebseigenen Silierkette eingebracht. So ist gewährleistet, dass der beste Schnittzeitpunkt und die Schlagkraft (z.B. optimale Verdichtung) selbstbestimmt ist. Für Pete Kappelman hat neben der top Genetik und der optimalen Grundfutterversorgung, der Kuhkomfort eine hohe Gewichtung. Trockenmasseaufnahmen von mehr als 30 kg/Tag können nur erreicht werden, wenn die Kühe im Transitbereich bzw. als Frischabkalber mindestens 10 m2 Platz haben und ihnen eine Fressplatzbreite von 1,20 m zur Verfügung steht. Futter sollte permanent vorliegen. Die Kühe werden in den ersten 6 Wochen nach der Abkalbung 4x/Tag gemolken. Darin sieht der Referent einen entscheidenden Grund für die hohe Trockenmasseaufnahme. Die Kälber- und Jungrinderaufzucht ist das Fundament für Hochleistungskühe. Aus diesem Grunde entschloss sich Kappelman 2014 zum Bau eines neuen Kälberstalls. Dieser besteht aus 4 separaten Abteilen mit bis zu 20 Kälbern, die im Rein-Raus-Verfahren belegt werden. Der H-förmig angeordnete Stall ist bezüglich Komfort, Luftqualität und Biosicherheit vorbildlich konzipiert. Durch diese idealen Aufzuchtbedingungen konnte das Erstkalbealter, bei gleichem Gewicht, auf 22 Monate gesenkt werden. Die Kälber bekommen als 1. Mahlzeit ca. 4 l getestetes (Refraktometer), pasteurisiertes Kolostrum. Danach wird die Milchmenge auf 10-12 l/Tag eingestellt. Sommer, wie Winter wird der Stall rund um die Uhr mit Überdruck (Belüftungsschläuchen) belüftet. Auf Grund dieser idealen Bedingungen können tägliche Zunahmen von 910g erzielt werden.

 

Was wollen unsere Kühe wirklich? Einzigartige Einblicke in das Verhalten unserer Kühe

Zu diesem gesellschaftspolitisch vieldiskutierten Thema stellte Frau Professorin Marina von Keyserlingk wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse ihrer praxisnahen Studien an der Universität von British Columbia in Vancouver vor. Produktionskrankheiten rund um die Kalbung wirken sich negativ auf das Tierwohl aus und erzeugen in unserer Gesellschaft Unbehagen, wodurch Begriffe wie z.B. „Qualzucht“ in den Raum gestellt werden, welche in diesem Zusammenhang zwar nicht zutreffend sind, sich aber gut für aktionistische Zwecke gegen die Landwirtschaft in Deutschland nutzen lassen. Frau Professorin von Keyserlingk erläuterte, wie verschiedene Managementfaktoren das soziale Verhalten von Milchkühen beeinflussen und Krankheiten auslösen können. Oft können Verhaltensänderungen vor der Abkalbung (KUHSIGNALE) wichtige Hinweise auf Erkrankungen der Kühe zu Laktationsbeginn geben. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass Kühe, die nach der Kalbung an einer Metritis erkrankten, schon 2 Wochen vor der Abkalbung eine deutlich verringerte Futteraufnahme zeigten. In Bezug auf Lahmheiten konnte die Forschungsgruppe belegen, dass Sohlengeschwüre, welche 3-4 Monate nach der Kalbung klinisch auftreten, ihren Ursprung in der Transitzeit haben. Die Kühe fallen durch längere Standzeiten auf. Insbesondere stellen sie sich über einen längeren Zeitraum lediglich mit den Vorderbeinen in die Liegebox. Studien zur Geburt haben gezeigt, dass Kühe sich zum Abkalben gerne zurückziehen; vorzugsweise hinter eine Ecke. Eine daraus resultierende Empfehlung lautet: Einrichtung separater Abkalbeboxen, bei denen eine Seite abgetrennt werden kann. Die „just in time“ Kalbung, bei der die Kühe in Gruppen gehalten werden und die Kalbinnen sobald die Füße des Kalbes zu sehen sind, in die Abkalbebox verbracht werden, sieht von Keyserlingk als problematisch an. Die Wissenschaftler verzeichneten bei dieser Methode einen Anstieg der Totgeburten.

 

Euterprobleme – Ursachen und Lösungsansätze

Weltweit wird ein Anstieg der durch antibiotikaresistente Keime verursachten Todesfälle registriert. Derzeit gehen jährlich ca. 700.000 Todesfälle auf das Konto dieser resistenten Keime. Wissenschaftler prognostizieren, dass diese Zahl bis 2050 auf über 10 Mio. steigen könnte, damit wären dann Antibiotikaresistenzen für mehr Todesfälle verantwortlich als Krebs. Maßnahmen zur Bekämpfung und Vermeidung von Euterproblemen, bei gleichzeitiger Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes waren die Leitthemen von Dr. Krömker, einem der führenden deutschen Experten auf dem Gebiet der Eutergesundheit. Grundpfeiler der von ihm vorgestellten Maßnahmen sind: der richtige Umgang mit Mastitiserkrankungen, der angemessene Einsatz von antibiotischen Trockenstellern und die Schaffung der entsprechenden der Rahmenbedingungen. Der Grundstein für eine gesunde Laktation wird schon am Ende der vorangegangenen Laktation bzw. in der Trockensteherphase gelegt, wie Herr Dr. Krömker anhand zahlreicher Forschungsergebnisse darstellen konnte. So haben etwa 60 % der in der Frühlaktation auftretenden Mastitiserkrankungen ihren Ursprung in der Trockenstehperiode. Wichtigste Ursache ist hier mangelnde Hygiene sowohl bei den Haltungsbedingungen (zu wenig Einstreu, hoher Verschmutzungsgrad des Stalles, Überbelegung), als auch bei dem Prozess des Trockenstellens (es werden keine Handschuhe getragen, die Zitzenkuppen werden vor dem Einsatz von Euterinjektoren nicht gereinigt usw.). Ein weiterer wichtiger Baustein zur Verringerung von Neuinfektionen ist die Vermeidung von Stress, verursacht durch Erkrankungen rund um die Geburt (Milchfieber, Ketose, Metritis usw.), aber auch sozialer Stress durch ständige Gruppenwechsel und daraus resultierenden Rangkämpfen. Zu den wichtigsten therapeutischen Maßnahmen bei der Verhinderung von Euterentzündungen zählt Herr Dr. Krömker: die Anwendung von antibiotischen Trockenstellern, da diese die Heilungsrate erhöhen und das Risiko von Neuinfektionen senken. Außerdem empfiehlt er den Einsatz von Zitzenversieglern, welche ebenfalls die Neuinfektionsrate in der Trockenstehperiode senken. Selektives Trockenstellen ist dagegen seiner Ansicht nach nur etwas für Betriebe mit einem sehr guten Eutergesundheitsmanagement und auch bei diesen längst nicht für alle Tiere geeignet. Seinen Vortrag beendete Herr Dr. Krömker, indem er einige wichtige Maßnahmen zur Risikominimierung hervorhob: Färsen bei Milchlaufenlassen anmelken, zweiphasige Trockensteherfütterung, keine Vorbehandlung zum Trockenstellen.

 

Das Fazit dieser Veranstaltung lautet:

Die Transitperiode stellt eine große Herausforderung für unsere praktizierenden Landwirte dar. Um die Kühe möglichst gesund durch diesen sensiblen Zeitraum zu managen, müssen sich Tierhalter, Berater und Tierärzte hinsichtlich Fütterung, Haltung und Kuhkomfort, ständig fortbilden. Nur Kühe, die mit neuestem Wissen optimal durch die Transitperiode gesteuert werden, schaffen die neue Laktation ohne größere Probleme und treten denjenigen entgegen, die durch unqualifizierte Äußerungen und Aktionen versuchen, die Landwirtschaft zu diskreditieren.

 

Dr. Hugo Hauschulte

Die Referenten und Organisatoren des Transitkuhmanagements 2017 auf Haus Düsse: Andreas Pelzer, LWK NRW; Pete Kappelmann, Meadow Brook Dairy Farms LCC; Prof. Dr. Marina von Keyserlingk, University of British Columbia; Dr. Hugo Hauschulte; Stationstierarzt RUW Soest; Dr. Christian Koch, Hofgut Neumühle; Prof. Dr. med. vet. Volker Krömker, Tierärztliche Hochschule Hannover; Peter Zieger, Diamond V; Dr. Denise Geßner, Justus-Liebig Universität (v. l.).

Mit gut 250 Teilnehmern war die Demonstrationshalle auf Haus Düsse, bei der Vortragsveranstaltung "Transitkuhmanagement 4.0", bis auf den letzten Platz gefüllt